Eine Herausforderung

Die letzten Tage, gar Wochen, war das Fräulein in einem ziemlich unangenehmen kreativen Tief. Sie könnte die Schuld daran jetzt dem Wetter zuschieben, das seit bald einem Monat täglich die selbe Inversionslage aufrecht erhält und in welcher die Luft seit genau so langem stagniert und ständig weiter verschmutzt wird, oder der Jahreszeit mit den furchtbar kurzen Tagen und der endlosen Nacht, oder ihrer Gesundheit mit dem Husten der sie seit Wochen hartnäckig festgesetzt hat und den wiederholten Migränen. Und sicher hat das alles seinen Teil zu diesem Tief beigetragen. Aber im Prinzip hat ihr einfach die Motivation gefehlt, es war nichts da was sie antrieb, was sie dazu brachte etwas leisten zu wollen.

Aber jetzt hat sie eine neue Herausforderung gefunden, und es ist eine der grössten seit sie angefangen hat zu nähen. Es ist ein frei zum download zur Verfügung gestelltes Schnittmuster für ein Jäckchen von John Galliano. Sogar das Fräulein, die sich sonst überhaupt nicht für Mode interessiert, weiss das das irgendwer wichtigeres in der Modebranche ist. Das Jäckchen ist äusserst asymmetrisch geschnitten (nur ein paar wenige Schnitteile sind symmetrisch) und hat sehr viele verschiedene Schnitteile (63 verschieden geformte). Was es richtig spannend macht ist das es keine Anleitung zum Schnittmuster gibt, abgesehen von einigen wenigen handschriftlich und auf Französisch hingekritzelten Stichwörter (die zum Teil auf Englisch übersetzt sind) ist es der Schneiderin selbst überlassen sich zurechtzufinden.

Aber das Fräulein meint sie habe die wichtigsten Sachen herausgefunden und glaubt das sie das Jäckchen nähen kann, das die Zweifel welche sie noch hat dann gelöst werden wenn sie Stoff in den Händen hat. Ihr erster Schritt ist jetzt mal zu testen ob das auch stimmt, also das Jäckchen aus billiger Baumwolle probe zu nähen. Danach wird sie den Schnitt sicher an ihre Grösse und Körperform anpassen müssen, sie hofft jedoch da relativ glimpflich davon zu kommen, und anschliessend nochmals probenähen um die letzten Details zu korrigieren. Erst dann will sie sich an den schönen Stoff wagen.

Während der Zeit kann sie sich auch noch viele Gedanken zum endgültigen Aussehen der Jacke machen, zu Farb- und Stoffkombination, zu Details und (zusätzlichen) Verzierungen, zu Accessoires und dem Rest des Ensembles (den soviel ist jetzt schon klar, es soll Teil eines zusammengehörigen Outfits werden. Dazu gehört garantiert ein Rock, welchen das Fräulein selbst entwerfen und genau so asymmetrisch und detailverliebt (um nicht zu sagen überladen) gestalten will. Sehr wahrscheinlich wird auch ein Korsett dazugehören, eventuell eine Oberschenkeltasche, Handschuhe, ein Hut (Hüte sind immer toll), vielleicht auch noch ein Werkzeuggurt.

Derzeit hat sie zwei Ideen zur fertigen Form welche trotz gleicher Grundidee ziemlich verschiedene Endprodukte ergeben würden. Einerseits würde sich klassischer Steampunk (ohne Zahnrädchen!) anbieten, das lässt sich wunderbar mit Details überladen. Farben wären dann Brauntöne von hellem Sand bis Dunkelbraun, Gold, Messing, vielleicht Akzente in weisser Spitze oder ähnlich, die Stoffe (Kunst-)Leder, Brokat, Spitze. Andererseits kann sich das Fräulein das ganze auch in Schwarz und Silber vorstellen. Dabei würde sie auf ein etwas nüchterneres Profil zielen, deutlich strenger, für die Jacke würde sie dann auf eine „aus zerschnittenen Uniformteilen zusammengeflickt“ Optik zielen.

Sie weiss aber echt nicht was sie versuchen will. Sie hat weder mit Steampunk noch mit Uniformlook Erfahrung (mal abgesehen das sie Steampunk als Literaturgenre mag). Vielleicht wird es ja noch etwas ganz anderes draus. Fertig haben will sie das ganze aber allerspätestens zum WGT.

Und weil sie möchte das ihre Leser nicht gänzlich von ihrem Geschreibsel gelangweilt sind präsentiert sie hier noch den Link zum Schnittmuster. Dort ist nicht nur das Schnittmuster selber in all seiner Obskurität zu bewundern (und zum Download bereit, sollte wer anders auch Lust haben), sondern es sind auch einige wenige Vorgängerinnen mit ihren eigenen fertigen Jäckchen zu sehen (ohne deren Fotos das Fräulein dieses Projekt vermutlich nicht wagen würde).

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