Das Fräulein am Sonntag

Die Letzten Tage hat das Fräulein rein gar nix genäht. Aber für einmal hat sie auch eine wirklich gute und klare Ausrede dafür. Am Sonntag hat sie nämlich etwas für sie bisher Einmaliges gemacht: eine Suspension.

Etliche der Leser hier kennen wohl das Fräulein schon und wissen das sie sich schon lange wünscht das mal erleben zu dürfen. Andere wissen vielleicht nicht mal um was es sich dabei handelt. Für die letzteren erst mal eine kleine Aufklärung. Eine Suspension ist eine temporäre Body-Modification (also wie ein Piercing oder eine Tätowierung, aber temporär) bei welcher (mit Hilfe von sehr dicken Kanülen) grosse Haken (Fleischerhaken, Haken für die Hochseefischerei, Spezialanfertigungen) durch die Haut geführt werden, und die Person danach mit Seilen an den Haken in die Höhe gezogen wird, so das er oder sie nachher an den Haken in der Luft hängt.

Wie die meisten Praktiken aus der Body-Modifikation haben auch Aufhängungen in manchen Kulturen eine lange Tradition, im anglo-europäischen Kulturkreis finden sie erst Mitte des XX. Jahrhunderts im Rahmen der „Modern Primitives“ Bewegung Einzug. Man findet heute wohl in den meisten Europäischen Städten Piercingstudios welche auch Suspensions durchführen, aber auch dort sind es nicht alltägliche Ereignisse.

Das Fräulein interessiert sich ja schon seit langem für körperliche Grenzerfahrungen. Die Erfahrungen mit Federn oder dem Korsettpiercing (sie stellt gerade mit Erschrecken fest das sie davon gar keine Fotos gepostet hat, das muss sie dringend korrigieren) über welche sie hier auch schon geschrieben hat sollten das klar machen, aber es sind auch viele andere Erlebnisse seit ihrer Kindheit die in diese Faszination einfliessen. Spezifisch über die Aufhängung unterhält sie sich sicher schon zwei Jahre mit den Leuten in ihrem Piercing Shop, aber bisher hatten die Umstände nie gestimmt.

Jetzt war aber endlich alles richtig. Das Fräulein war zusammen mit einem Freund an der Session, begleitet von einem gemeinsamen Freund. Ein weiteres Mädel war auch da um sich Aufhängen zu lassen, und dann noch eine Interessierte die aber noch nicht ganz zu diesem Schritt bereit war.

Leider schafft es das Fräulein noch immer nicht die ganzen Gefühle und Stimmungen welche sie dabei erlebt hat auszudrücken. Mindestens in dem Sinne war es wirklich eine Grenzerfahrung, in dem es jenseits von dem war was sich einfach erzählen lässt.

Die Schmerzen waren durchwegs erträglich und am unteren Ende vom Rahmen welchen das Fräulein erwartet hatte. Sie beschränkten sich eigentlich fast ausschliesslich auf zwei Momente. Einerseits das Stechen selbst, der Durchmesser der Nadeln ist ziemlich respekteinflössend, auch wenn man schon öfters mit grösseren Nadeln (1.7mm) gestochen wurde. Aber im Endeffekt war der Schmerz doch nicht so gross, vom Gefühl her wie ein richtig heftiges Piercing. Der zweite Schmerzmoment kam dann beim hochziehen, das Gefühl ist da wie wenn jemand einen bei beiden Haken richtig fest kneifen und daran ziehen würde. Wohl das wichtigste zum Schmerz ist das er zwar bedeutend ist, aber bei weitem nicht so heftig wie es scheinen mag. Und vor allem ist der Schmerz zu keinem Moment der Mittelpunkt des Erlebnisses.

Die Zeit der Aufhängung selbst kann das Fräulein beim besten Willen nicht richtig beschreiben. Sie hat gelacht, vor Freude gejauchzt, geschaukelt und sich im Kreise gedreht, oder auch sich einfach nur still gehalten und alles genossen. Ein mächtiges Glücksgefühl hat sie dabei gepackt und bisher nicht losgelassen. Vermutlich wird das Fräulein noch weitere solche Erfahrungen machen müssen bevor sie diese nuanciert beschreiben kann.

Nach der Suspension hat sie sich für eine Weile ziemlich schwach gefühlt, hat gefühlt angefangen intern zu zittern, wohl weil das ganze sehr intensiv war. Dem folgte dann bald ein Heisshunger welchen sie zum Glück mit den bereitgestellten und mitgebrachten Süssigkeiten stillen konnte, sie war davon auch nicht überrascht, hatte sie doch auch schon nach anderen extremeren Erfahrungen grossen Hunger.

Würde sie es wieder machen? Auf jeden Fall. Das Erlebnis war etwas vom aussergewöhnlichsten und wunderbarsten was das Fräulein je erlebt hat. Zuerst braucht sie zwar noch eine gewisse Zeit zum verdauen und verarbeiten, aber sie wird ganz sicher bald wieder fliegen wollen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s