Es dauert, und dauert, und dauert noch länger, und dann ist es fertig.

Vor etlichen Wochen war des Fräuleins Plan das dieses Projekt bis zu ihrem Ausflug nach Freiburg fertig sein sollte. Dann wollte sie es fertig haben bevor ihr Besuch aus Russland da war. Und dann sollte es sofort nach der Aufhängung fertig werden. Und dann wenigstens sofort nachdem sie sich von der Aufhängung erholt hatte. Und dann war es fertig bis auf die Borte welche dem Fräulein nicht recht gefallen wollte. Und dann mussten nur noch die Enden von den Borten richtig versäubert werden. Und dann, endlich, endlich war es fertig, und das Fräulein nahm noch Fotos um es hier vorzustellen, und dann waren die Fotos unscharf.

Da hat das Fräulein aufgegeben und ist erst mal schlafen gegangen.

Jetzt hat sie aber nochmals alles photographiert, und endlich kann sie es zeigen (klick macht wie immer gross).

Zuerst wollte die Borte dem Fräulein nicht recht gefallen – sie mag sich auch erinnern das diese ihr schon beim Einkauf nicht wirklich gepasst hat – aber sie war ja von der Freundin erwünscht, also musste sie zumindest mal ausprobiert werden. Und wie sie so da sass und das Teil annähte – von Hand, versteht sich – fand sie immer mehr das es doch eigentlich nicht so schlecht aussehen würde. Und zum Stil der Empfängerin würde es sicher passen. Sie hat dann immer wieder mit sich gehadert, sie hätte längst fertig sein können, sie hätte viel mehr Spass an einer anderen Arbeit haben können, aber sie hat einen sturen Kopf, und nachdem sie sich dazu entschieden hatte liess sie sich nicht mehr davon abbringen.

Am Ende musste sie es nur noch schön zusammenrollen und dann mit viel Seidenpapier in den selbstgebastelten und massgefertigten Karton packen (dieses Photo übrigens mal mit Blitz, das betont den Stoff ganz anders als mit Umgebungslicht). Das mit dem Karton ist noch so was, das Fräulein mag ja schöne Kartons, Truhen, Dosen, ganz allgemein schöne Behälter. Das Fräulein ist da aber auch relativ anspruchsvoll, wenn diese das Fräulein überzeugen sollen so das sie sie benutzt dann müssen sie schon eine gewisse Eleganz vorweisen, oder zumindest ein an sich kohärentes Design aufweisen. Und mit der Zeit ist in ihr der Gedanke gewachsen das doch eigentlich all die schönen Sachen welche sie selbst produziert auch passende Behältnisse verdienen.

Und da kommt dann so etwas heraus. Der Karton ist ein einseitiger Wellkarton, also auf der einen Seite glatt und auf der anderen gewellt, was ihm viel Stabilität verleiht. Den Schnitt dazu hat das Fräulein selbst gezeichnet, und der Karton ist nirgends geklebt, verleimt, getackert, oder sonstwie verunstaltet. Das rote Satinband das den Karton zuhält ist ein Reststück, genau auf die passende Länge genäht. Gerne würde das Fräulein einen schönen Stempel machen damit sie ihren Avatar direkt auf die Verpackung drucken könnte, aber da sie vorerst keinen solchen besitzt muss eine unter das Band geschobene Visitenkarte ausreichen.

Das ganze ist natürlich noch nur ein Prototyp, das Fräulein hat verschiedene andere Ideen für Verpackungen im Hinterkopf welche sie mit der Zeit ausprobieren will. Aber für einen ersten Versuch ist sie sehr zufrieden damit.

Jetzt muss sie noch ein wenig Aufräumen, Schnittmuster mit Stoffproben archivieren, etwas Platz frei machen, dann kommt auch schon das nächste Projekt. Noch ein Korsett! Dieses aber ganz nach des Fräuleins Gefallen, ganz in Schwarz, das stärkste was sie ja gemacht hat. Es wird ein Überbrustkorsett, für eine Freundin in Australien die fast täglich Korsett trägt, und welche sich immer beschwert das die Stangenware viel zu schnell kaputt geht. Morgen muss sie also extrastarkes Garn kaufen, und dann will sie mal sehen ob sie ihrer Freundin nicht was liefern kann was ihr länger Freude macht.

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