Das Fräulein im Koma

Ein bisschen wie in einem Koma fühlt sich das Fräulein derzeit an, immerhin ist jetzt schon eine Woche vergangen seit dem WGT und sie hat rein gar nichts geleistet in der Zeit ausser ein wenig aus zu gehen. Dabei hätte sie ja durchaus viel zu tun, und auch viele Projekte zu nähen.Sie muss sich also wieder mal richtig zusammenreissen und was unternehmen.

Doch will sie heute von einer anderen Sorte Koma berichten, nämlich von ihrer zweiten Aufhängung, in der Koma Stellung (d.h. auf dem Rücken liegend, mit Haken in Brust, Magen, Ober- und Unterschenkel). Wer so was nicht mag sollte vielleicht den Rest des Beitrages überspringen.

Die Aufhängung ist eigentlich schon ein Weilchen her, jetzt dann zwei Monate, aber das Fräulein hatte grosse Mühe sie emotional zu verarbeiten. Im Vergleich zu ihrer ersten Aufhängung war das Erlebnis diesmal grundlegend anders, statt Ekstase und Transzendenz mit nur wenig assoziiertem Schmerz hat sie beim Koma Schmerzen durchlitten wie sie sie noch nie erfahren hat, und die einzige Befriedigung welche sie dabei erhielt war das sie doch einen sehr sturen Kopf hat.

Im Nachhinein wollte sie erst mal nicht viel an die Erfahrung denken, und hat sich in ihre Näharbeiten gestürzt (und das WGT war ja schon nah!). Auch als sie vor einem Monat oder so die Fotos erhielt (diesmal war ein professioneller Photograph dabei) hat sie diese nur mal kurz durchgeguckt, und war mehr geschockt als erfreut über was sie sah. Über die Erfahrung nachgedacht hatte sie natürlich auch viel, aber erst jetzt nach dem WGT und mit der kleinen Auszeit hat sie die Muse gehabt auch die Bilder richtig anzugucken (klick macht wie immer gross).

Das erste Foto kann vielleicht schon einen Eindruck vermitteln wieso das Fräulein von den Fotos etwas geschockt war. Sie kann ihren Gesichtsausdruck unmöglich lesen. Entstanden ist es vermutlich beim setzen vom siebten oder achten Haken.

Die Haken werden dann festgeschnürt. Hier (und überhaupt auf den Photos) nicht sichtbar ist das das Fräulein die ganze Zeit durch sehr kalt hatte. Die Temperatur war zwar nicht wirklich kalt, aber sie ist eben doch sehr kälteempfindlich, und wenn sie (später dann) zusätzlich zu allen Eindrücken von der Aufhängung gegen ständiges heftiges Zittern kämpfen muss wird alles um so schwieriger.

Langsam werden die Haken angezogen. Der Strick welcher die Haken mit der Trägerstange verbinden muss noch fein justiert werden das der Zug gut ausgeglichen ist. Wo dies bei der ersten Aufhängung sehr schnell und einfach ging und das Fräulein eigentlich in einer bequemen Situation war, da war dies eine lange komplizierte Geschichte in welcher das Fräulein ständig Schmerzen spürte und nie eine wirklich glückliche Verteilung des Zuges fand.

Und dann, wenn alles angepasst ist, wird das Fräulein angehoben. Wo sie dieses Foto zum ersten mal gesehen hat ist sie wirklich mal erschrocken, gerade darüber wie sehr die Haut am Magen verzogen ist. Das war das erste mal das sie in einem Foto von einer Aufhängung wirklich den Schmerz darin sah – wohl auch weil sie weiss wie viel Schmerz sie in diesem Moment am ertragen war.

Und fast sieht sie entspannt aus, wie sie dort in der Schwebe hängt zwischen Himmel und Erde. Aber nur fast, ihr Gesichtsausdruck lässt vermuten das sie Ekstase oder aber tiefe Qual erleidet, und leider war es letzteres. Sie musste dann auch umgehend abbrechen, und vermochte keine halbe Minute so in der Schwebe zu bleiben.

Und hier das Nachspiel, der Strick und die Haken werden entfernt, und man kann endlich sehen wie fertig sie nach der Erfahrung war.

Und ja, aus einer ersten Perspektive war das ein ziemliches Debakel. Das Fräulein hatte völlig unterschätzt wie anspruchsvoll ein Koma ist, sie war müde und unterkühlt und konnte sich deshalb auch nicht öffnen und den Empfindungen hingeben, so ist alles Schmerz geblieben und sie ist mit voller Wucht an ihre Grenzen gefahren.

Aber mit etwas Abstand und Reflektion muss sie sagen das es doch eine wertvolle Erfahrung war. Nicht nur weil sie ja doch die Aufhängung geschafft hat (was, wie sie an jenem Tag auch sehen konnte, nicht selbstverständlich ist), aber auch weil sie eine wichtige Lektion erfahren durfte. Das Fräulein war bisher in Bezug auf freiwillig erlebte Schmerzen nie an ihre Grenzen gekommen. Sei es beim BDSM oder beim Body Mod (Körpermodifikation, z.B. Piercings, Tattoos, und eben Aufhängungen). Irgendwo in ihrem Hinterkopf hatte sie langsam angefangen zu glauben sie hätte keine Grenzen beim Schmerz, sie sei quasi unverwundbar (also, im Geist, nicht im Körper). Das auch sie Grenzen hat (wenn gleich diese sehr weit gesteckt sind), das auch sie an ihre Limiten kommen kann, das ist doch eine wichtige Lektion.

Und ja, die ersten Wochen nach dem Koma hatte sie wenig Freude mehr an Aufhängungen. Aber inzwischen ist ihre Freude daran wieder voll erwacht, und sie kann es kaum erwarten bald wieder Flugstunden zu nehmen. Ende August dürfte es so weit sein, am Freitag geht sie dazu ihren Piercer sprechen.

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