Reboot!

Es ist viel passiert hier im Schwanenheim seit dem letzten Beitrag (fast zwei Jahre ist das her, oh weh!). Das Fräulein ist zur Frau geworden (und war das eine hektische Aktion, über ein Jahr vorher das Datum festgelegt, und dann 3 Wochen vorher mit der Planung angefangen! Hat irgendwie alles geklappt und war wunderschön). Sie ist umgezogen, in ein kleines Arbeiterhäuschen vom ausgehenden 19. Jahrhundert (sehr schnuckelig, mit kleinem Garten, Denkmalschutz, 5 Minuten in den Wald (der war vorhin voller Glühwürmchen!), 10 Minuten zu Bahnen und Geschäften). Sie hat einen Hund (oder besser, ihr liebster hat einen Hund, Husky-Irgendwas Mischung und reinrassiger Flötschkopf). Katze hat sie natürlich immer noch (die liegt auf dem Bügelbrett auf dem neues Rock und verteilt die obligaten Haare drauf).

Viel unschönes ist auch passiert, haarsträubende Stromrechnungen (scheiss Nachtspeicher!), Schimmel in der Wohnung, Streit mit Vermieter, Probleme mit Gesundheit, und und und, so das die Diss ständig am Rande der Erschöpfung stand. Entsprechend ist sie auch immer weniger dazu gekommen was zu nähen, und zuletzt standen ihre Nähmaschinen über ein Jahr still.

Doch seit dem Umzug im Februar geht es ihr ständig besser. Es stehen zwar immer noch ein paar volle Kartons rum (drei Stück nur noch!), und ein paar Details müssen noch erledigt werden bis das alles im Haus so ist wie es sein soll, aber das erledigt sie alles Stück für Stück. Seit sie einen Wäschetrockner hat (und nicht mehr den viel zu kleinen, dunklen, feuchten Waschkeller teilen muss) bewältigt sie die Wäscheberge wieder. Der Garten wurde zwar die letzten Jahre vernachlässigt und benötigt sehr viel Arbeit, aber irgendwie tut diese Arbeit sehr gut.

So ging es ihr die letzten Monate immer besser, und am WGT (das erste wo sie nichts neues selbstgenähtes zum anziehn hatte!) schliesslich hat sie verlauten lassen das sie wohl bald wieder mit nähen anfangen könne.

Letzten Freitag war sie dann im Stoffladen, und seither hat sie jeden Tag ein klein wenig was gearbeitet, so das inzwischen schon das erste Projekt fertig ist! Als Einstieg gab es was einfaches, einen Sechseckrock (wie ein Kreisrock, aber eckiger) aus einem schwarz/violett gestreiften Stoff (na ja, eher ganz tief dunkelblau als schwarz). Sie hat sich mühe gegeben das die Streifen an den Nähten auch schön aufeinander treffen, weils dann einfach besser aussieht. Weil der Stoff etwas leicht und nicht ganz undurchsichtig ist kam darunter eine Lage schwarzen Chiffon, gleich geschnitten aber nur am Bund mit dem anderen verbunden. Der ist zwar auch ziemlich durchsichtig, aber zusammen genommen passt das. Eigentlich wollte die Diss den unteren Rock mit einem Rollsaum säumen, aber das hat nicht so gut geklappt, also ist der auch normal gesäumt.

Ein Rock auf einem Bügelbrett
etwas unscharf, handyfoto, sorry
Details vom vorigen Rock
Details vom Bund, mit Knopf, Label, Reisverschluss, und schön aufeinander treffenden Streifen

So, und das wärs dann auch vom ersten neuen Blogeintrag.

 

Logbuch:

Einkauf: 2m gestreifte Baumwolle, 1.5m Chiffon, 1m roter Cord, 1 Knopf, 1 Rolle Garn

Verarbeitet: 2m gestreifte Baumwolle, 1.5m Chiffon, 1Knopf, 1 Reissverschluss, 1m Formband

Fertiggestellt: 1 Hex-Rock

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Ein mal Transilvanien retour

Das Fräulein war fleissig, und das Cape ist schon fertig. Jetzt kann sie endlich dem Grafen in angemessener Bekleidung einen Besuch abstatten. Oder auch nicht, sie hat irgendwie nichts was so wirklich dazu passen würde. Aber sie wollte halt das Cape nähen, und zwar schon seit langem – den Stoff dazu hat sie schon vor zwei Jahren gekauft.

Leider kennt sich das Fräulein nicht so gut aus in Stoffkunde, und sie kann deshalb nicht so genau sagen was es für ein Stoff ist, aber sie glaubt das solche Stoffe manchmal als Waschleder bezeichnet werden, und sie hat auch schon einen sehr ähnlichen gekauft welcher als „Peau de Peche“ (wörtlich: Pfirsichhaut) bezeichnet war. Gefüttert ist es mit einem normalen Polyesterstoff in der Farbe des Fräuleins Blutes.

Vom Schnitt her ist es ein einfacher Halbkreis mit einem Halsausschnitt und zwei Abnähern für die Schultern, aussen besteht er tatsächlich aus nur einem Stück Stoff. Das ergibt dann auch gleich die Länge vom Cape, Stoffbreite minus Halsausschnitt. Die Papierversion aus dem letzten Beitrag hat das Fräulein übrigens benutzt um die beiden Abnäher und die genaue Breite vom Halsausschnitt zu erarbeiten. Die Innenseite ist deutlich komplizierter (aber immer noch einfach) mit im ganzen vier Teilen. Aber auch das war immer noch eine sehr einfache Sache, überhaupt waren die einzigen Schwierigkeiten (wenn sie denn so genannt werden können) die Länge der Nähte und allgemein die Grösse des Stückes (der Saum misst 4.5 Meter).

Es wäre durchaus möglich das Cape noch länger zu machen, aber dann würde nicht nur die benötigte Menge and Stoff deutlich zunehmen, dann müsste auch der Oberstoff aus mehreren Stücken zusammengesetzt werden, und das ganze wäre nochmals komplizierter.

Als nächstes näht das Fräulein nun ihrem Freund eine Hose. Das wird auch eine Herausforderung, sie hat das nämlich noch nie gemacht.

Das Fräulein ist zurück!

Nun ist es schon ein paar Monate her das das Fräulein von sich hat hören lassen, aber sie lebt noch, und sie ist zurück. Viel ist passiert inzwischen, fast alles zum Guten. Sie war auch viel unterwegs, in den letzten 3 Monaten war sie im ganzen einen Monat im Ausland. Dazu hatte sie auch noch Besuch, da blieb nicht viel Zeit zum nähen.

Sicher das grösste und wichtigste und wunderbarste Ereignis vom Sommer ist das sich das Fräulein verliebt hat. Nicht bloss verliebt, glücklich verliebt! Er ist wunderbar, und schön, und lieb, und immer sehr aufmerksam und achtsam, und sexy, und sehr intelligent, und total freakig, und so genial, und toll, und völlig einzigartig, und wunderbar (Moment, das hat das Fräulein schon gesagt), und sie liebt ihn so sehr!

Hier trägt er das Korsett welches das Fräulein für ihn genäht hat, das Fräulein selbst ist im Schmüsekleid von Natron & Soda, ihrem ganz ersten selbst-genähten Kleid. Das Korsett ist aus weissem Kunstleder und zwei Lagen Coutil und mit 22 Stäbchen verstärkt, alle Nähte auf welchen Zug liegt sind doppelt genäht, und das Fräulein sorgt sich immer noch das es vielleicht nicht genug ist, so sehr reduziert es die Taille. Es ist auch von der Verarbeitung her das beste Stück welches wie bisher genäht hat, worüber sie auch Stolz ist.

Leider wohnt er sehr weit weg, Google sagt es seien fast 800 km, und da sieht sie ihn viel zu selten, aber in ungefähr einem halben Jahr kann sie zu ihm in die Nähe ziehen.

Ansonsten wollte das Fräulein heute noch zwei weitere Sachen zeigen, nämlich hat sie sich letzte Woche einen flauschig-warmen Rock genäht, genau rechtzeitig zum Kälteeinbruch. Die schwarzen Panele sind aus schwerem Baumwollsamt, wie der Stoff für die Keile heisst weiss das Fräulein leider nicht, aber er ist etwas leichter und viel weicher. So fällt er ziemlich gerade, hat aber trotzdem eine Saumlänge von fast drei Metern, so das das Fräulein viel Bewegungsfreiheit geniesst.

Zwei überlange Gürtel am Bund sorgen dafür das der Rock nicht herunterrutscht.

Das zweite ist eine kleine Schallplattentasche für eine Freundin. Sie lag schon seit einem ganzen Jahr herum und wartete darauf das das Fräulein sich endlich ihr widmen würde und sie fertigstellen. Viel gab es eigentlich nicht zu tun, der Träger musste noch genäht werden, die Singles befestigt, und vor allem hatte das Fräulein geplant neue Etiketten für die Platten zu entwerfen. Und genau dieser Punkt hatte sie gestoppt, sie kann zwar so einigermassen mit Photoshop umgehen, aber es liegt ihr nicht besonders, und wenn dazu noch die Inspiration streikt geht gar nichts. Jetzt hat sie sich entschieden einfach die Etiketten von ihrer letzten kleinen Schallplattentasche wiederzuverwenden, und das Problem war gelöst.

Ein tolles Gefühl

Es ist immer ein tolles Gefühl mit einem Projekt fertig zu werden. Noch viel toller ist es mit einem richtig gelungenen Projekt fertig zu werden, welches optisch stimmt und auch intern nur in wenigen Aspekten ein wenig verbesserungswürdig ist (perfekt gelingen kann ein Projekt nie, aber man kann sich immer weiter an die Perfektion annähern).

Und das ist dem Fräulein mit ihrem neuen Korsett gelungen. Ein paar wenige Mängel sieht sie, das ist normal, wenn nicht sogar gut, denn diese Mängel zeigen ihr auch wo sie sich nächstes mal verbessern kann. Und da diese ausnahmslos von aussen bzw. für nicht Eingeweihte nicht sichtbar sind wird sie nicht weiter darauf eingehen.

Weil dies ein Nähblog ist sollen aber die technischen Details erwähnt werden. Der Oberstoff ist wie das Fräulein schon vorher geschrieben hat ein Broche, das Futter ein leichter Coutil (leicht für Coutil). Beide lassen sich sehr gut verarbeiten, sie hat sich etwas Sorgen gemacht das die Stoffe vielleicht etwas gar steif zum verarbeiten sein würden, das hat sich aber nicht bestätigt. Auch auf den Ober- und Unterkanten, welche sie wie mit Schrägband (aber halt gerade Geschnitten, sie hatte nur noch wenig Stoff übrig) versäuberte, liess sich der Broche problemlos verarbeiten, obwohl da zusätzlich zu den Stofflagen des Korsetts noch vier Lagen Stoff dazu kamen.

Zum ersten mal hat sie statt Tunnels für die Stäbchen selbst zu nähen vorgefertigte gewobene Tunnels benutzt. Diese lohnen sich durchaus, sie sind nicht teuer und ersparen doch ein, zwei Stunden Arbeit. Zudem sind sie gleichmässiger als auch die besten Selbstgemachten welche das Fräulein bisher gefertigt hat, was auch hilfreich ist.

Genäht ist es wie in der Anleitung von Steelrose/Rosa-Chalybeia in zwei Lagen welche dann verbunden werden. Weil das Fräulein sich aber wünschte das die Struktur der Stäbchen von Aussen sichtbar sei sind die Tunnels nicht auf das Futter aufgenäht, sondern an der Nahtzugabe vom Oberstoff angenäht. Dann hat sie die Schliessen eingenäht und Panel für Panel die Stäbchen eingesetzt und durch beide Lagen festgenäht. Nur die Hüftteile sind nicht auf die Art miteinander vernäht.

Zur Verstärkung hat das Fräulein Spiralfedern benutzt, weil alle Nähte, aber gerade die um das Hüftteil, geschwungen sind. Im Rücken beidseitig der Schnürung ist natürlich Federstahl drin, die darf sich natürlich nicht verziehen. Alle Stäbchen sind 11 mm breit, im ganzen 4 aus Federstahl und 18 aus Spiralfedern. Die Planchetten für die Schliesse sind 1 Zoll (26 mm) breit mit vorgebohrten Löchern für die Schwenkhaken, welche dann durch diese Löcher hindurch festgenietet werden.

Das Material mit Ausnahme von den Stäbchen hat das Fräulein alles bei Vena Cava Design gekauft, und sie ist damit sehr zufrieden. Leserinnen aus Deutschland werden wohl schon bloss wegen den Versandkosten lieber bei einem dortigen Shop wie Piccoli oder Nehelenia einkaufen, für das Fräulein sind die Versandkosten aus England geringer als aus Deutschland, und sie schätzt die sehr grosse Auswahl bei Vena Cava.

Das andere ganz tolle Gefühl welches einem ein Korsett verleiht ist natürlich das vom Korsett tragen. Und da liegt es dem Fräulein wunderbar eng an, und obwohl es das engste ist welches sie bisher für sich genäht hat, die Taille misst nur noch 66 cm, drückt es ihr weder auf dem Hüftknochen noch auf ihren etwas hervorstehenden Rippen, beides Zonen wo sie von anderen Korsetts blaue Flecken gekriegt hat. Höchstens ihre Verdauung protestiert ein wenig dagegen so zusammengeschnürt zu werden. Die nächsten Wochen wird das Fräulein das Korsett regelmässig tragen, sie hat den ganzen Winter über kaum je ein Korsett getragen und muss sich wieder etwas daran gewöhnen.

Weiter geht es nun mit den anderen WGT-Sachen, während in ihrem Hinterkopf schon die nächsten Pläne flattern.

Zwischenstand

Es sind nicht mal mehr 5 Wochen bis zum WGT, und das Fräulein ist so weit hinter ihrem Plan im Rückstand das es nicht mehr lustig ist. Ein wenig ist sie aber doch voran gekommen, die grossen Aufträge für andere sind fertig, und jetzt kann sie sich vollkommen auf ihre eigenen Sachen konzentrieren. Und da muss das Fräulein zugeben das trotz der ganz alltäglichen Freude welche sie beim nähen empfindet ihre Motivation doch noch ein Stück höher ist wenn sie für sich selbst arbeitet.

So hat sie Donnerstag Nacht begonnen ein Schnittmuster für ihr neues Korsett zu zeichnen, und das ist inzwischen so weit fortgeschritten das sie Morgen nur noch ein paar Ösen einschlagen muss und das Probeteil wird fertig zum anprobieren sein. Und sie muss zugeben das das Probeteil diesmal eindeutig nötig war, nicht nur um die Form abzustimmen, sondern auch weil sie einen neuen Schnitt ausprobiert hat. Anpassungen gibt es also eindeutig.

Trotzdem, Morgen wird sie den Stoff dafür zuschneiden, und wohl auch schon mit dem Vernähen beginnen können. Sie hofft ungefähr am Mittwoch das fertige Korsett vorzeigen zu können, bevor sie dann mit dem deutlich schwierigerem Projekt weitermacht, nämlich der Jacke.

Dabei muss sie aber hoffen das ihre Gesundheit stabil bleibt. Diese Woche musste sie zum Zahnarzt, und was eigentlich ein schneller Eingriff von 20 oder 30 Minuten Dauer gewesen wäre dauerte volle 90 Minuten. Der Eingriff konnte zwar dennoch erfolgreich beendet werden, aber das Fräulein nimmt jetzt Antibiotika und eher starke Schmerzmittel. Als nettes Extra hat sie seit heute Abend alle Anzeichen einer Erkältung. Irgendwie ironisch, genau dann wann sie auf Antibiotika ist wird sie krank.

Nach all dem Text will sie euch aber doch einen Blick auf das letzte fertige Werk gönnen, die neue Schallplattentasche (klick auf Bilder macht gross):

Eigentlich ist die Schallplatentasche ein ganz einfaches Konzept, und das Fräulein hat nebst ihrer ersten solchen auch schon andere Ausführungen gesehen. Man nehme drei Schallplatten, schneide bei zweien je ein Segment ab, bei der dritten zwei Segmente (die bildet nachher den Boden), und mache ganz viele Löcher in die Platten. Dazu nähe man eine Tasche mit den passenden Massen, setze die zwischen die Platten, und vernähe dank der vielen Löcher die Platten mit der Tasche.

Die genähte Tasche kann beliebig aufwendig sein, je nach Wunsch und Erfahrung der Schneiderin. Diese hier hat eine aufgesetzte Aussentasche und zwei Innentaschen, eine davon mit Reissverschluss, ist also insofern recht einfach gehalten. Anspruchsvoller ist das Material, der Oberstoff ist mit einer Lage Coutil (Korsettstoff) verstärkt, das Futter auch mit einer weiteren Lage weissen Stoff verdoppelt damit das Schwarz vom Oberstoff nicht durchscheint.

Bei den Schallplatten hat das Fräulein ihre ganze Erfahrung zusammengebracht und optimiert damit sie ein möglichst perfektes Resultat erzielt. Die erste wesentliche Neuerung ist das sie die Löcher zuerst auf einer Schablone aufzeichnet welche sie dann auf der Platte befestigt, so kann sie die Löcher millimetergenau positionieren. Die zweite Neuerung ist das sie die Löcher statt mit einer Lochzange welche sie vor jedem Loch erhitzt mit einer einfachen Ahle und sanftem Druck sticht. Die Vorteile sind viele, das Fräulein kann die Löcher viel genauer platzieren, die Löcher sind deutlich kleiner, sie muss nicht mehr Dämpfe von schmelzenden und brennenden Kunststoffen einatmen, und die Löcher sind regelmässiger im Aussehen weil die Temperaturunterschiede bei der Lochzange wegfallen. Und schliesslich hat sie noch, zumindest auf der sichtbaren Seite, alle Löcher entgratet.

Die Etiketten auf den Schallplatten sind eigentlich eine Spielerei, das Fräulein kann sich sehr gut vorstellen das Original stehen zu lassen, gerade wenn es eine Platte ist welche einem etwas bedeutet. Da dies hier nicht der Fall war hat das Fräulein die Etiketten für das erste Album ihrer (leider immer noch imaginären) Band The Black Swans entworfen. Beide Songs ihrer ersten Single sind darauf zu hören, aber auch viele neue Songs sowie auf der dritten Seite (die Tasche hat drei Platten, also hat das Album drei Seiten) ein Cover. Als Detail sind die Anzahl der Titel und deren jeweilige Länge auf die Anzahl und Länge der Songs auf den benutzten Platten abgestimmt.

Die Zeit verrinnt so schnell

Schon Vier Tage sind es her das das Fräulein ihre Liste geschrieben hat, und sie fühlt sich wie wenn sie noch kaum vom Fleck gekommen sei. Sie kann sich zwar einreden das sie noch viel anderes organisiert und viele unsichtbare Fortschritte erzielt hat, aber dennoch, ganz glaubt sie das doch nicht. Und inzwischen sind es nur noch 51 Tage bis zum WGT!

Aber immerhin, ein wenig ist sie voran gekommen. Das Monster ist eigentlich fertig; das braucht idealerweise noch ein kleines Stück weisses Velcro für die Verpackung und unbedingt einen schönen Brief dazu, und dann ab auf die Post damit. Die Singletasche braucht nur ein Design für die Etiketten, danach können die Singles angenäht werden, das sollte nur wenige Stunden dauern aber das Fräulein blockiert komplett auf dem Design. Dafür nimmt die neue 33rpm Tasche Form an, mit einem überarbeitetem Schnittmuster welches die Öffnung handlicher macht, das war ein Konstruktionsfehler an der ersten.

Das Fräulein hat auch alle ihre neuen Stoffe gewaschen, mal abgesehen von jenen die noch mit der Post unterwegs sind, und bis auf die welche sie heute gekauft hat sind sie auch alle gebügelt. Und die beiden letzten Bestellungen sind inzwischen mit der Post unterwegs, eines aus England und eines aus Deutschland.

Und ja, ihre WGT-Karte hat sie auch bestellt, aber die werde erst Mitte April verschickt. Bleibt noch die Anzahlung für die Ferienwohnung, und das wäre dann die letzte grössere Ausgabe bis zum WGT.

Und ganz zum Schluss, weil es so schön ist, und sie es ihrer Freundin versprochen hat, noch ein letztes Mal das Monster. Es mit einem Kissen zu stopfen um die Form zu betonen hat sie bei NuS abgeguckt, aber sie vermutet sie bräuchte für das Monster ein deutlich festeres Kissen. Dennoch, Klick macht gross:

Das Monster in seiner vollen Pracht

Und hier ist es endlich, das Monster in seiner vollen Pracht ausgebreitet zum geniessen (klick macht gross).

Nachdem sie es eine Woche oder sogar 10 Tage beiseite gelegt hatte um an der Piratenjacke zu arbeiten hat das Fräulein nun endlich die Ösen eingesetzt und die Schnürung geschnürt. Sie hat schon gemeint jetzt sei sie wirklich endlich fertig damit, aber inzwischen hat sie festgestellt das noch ihr Label fehlt. Dann aber… …dann muss sie noch die Verpackung basteln und die Innenseite von Katzenhaaren befreien, und dann ist es dann wirklich vollbracht!

Und es ist wirklich ein Monster. Nicht nur wiegt es volle 800 Gramm. Nicht nur sind 7 Meter Stäbchen (vor allem Spiralfedern) darin verarbeitet. Nicht nur ist es die Nemesis von Steck- und Nähnadeln. Nicht nur ist es wesentlich grösser als alle anderen Korsetts welche das Fräulein bisher gemacht hat. Und nicht nur ist es von den Materialien her das teuerste welches sie genäht hat. Was es wirklich zum Monster macht ist der Gesamteindruck den es ergibt, gerade wenn man es in die Hand nimmt. Es fühlt sich nicht an wie weicher Stoff, es fühlt sich an wie schweres Leder. Wem es gerade an einem Kettenhemd mangelt dürfte es fast genau so gute Dienste leisten. Zusammengerollt dürfte damit auch jeder Angreifer in die Flucht geschlagen werden. Ein Monster eben.

Jetzt muss das Fräulein aber die kuschelige Wärme ihrer Bettdecke aufsuchen, morgen will sie „früh“ aufstehen und noch das letzte Stoffhaus im Ort aufsuchen, ob sie nicht dort noch ein geeignetes Futter für ihre Jacke finden könne. Und ihren Piercer sollte sie auch unbedingt mal sprechen.

Erstes Accessoire zu den Handschuhen

Normalerweise, wenn man ein Outfit plant, fängt man mit einer allgemeinen Idee an, macht vielleicht ein paar Skizzen, sucht sich Stoffe dazu heraus, und fängt dann mit dem zentralen Teil an, der Robe, dem Mantel, wie auch immer. Und wenn man dann die wichtigsten Sachen fertig hat sucht oder fabriziert man noch ein paar Accessoires dazu und vervollständigt so das Ensemble.

Das Fräulein macht es anders, nicht immer, aber doch regelmässig. Den Petticoat hat sie genäht bevor sie irgend einen Rock dazu hatte, noch eine Idee was sie dazu nähen würde. Bei ihrem Outfit aus Lack hat sie mit den Armstulpen angefangen bevor sie überhaupt richtig nähen konnte (die waren ihr zweites Projekt überhaupt), dann etwas später das Halskorsett, und erst zum Schluss hat sie gedacht ein Korsett oder eine Korsage zusammen mit einem Röckchen könnte das ganze auch tragbar machen.

Und bei diesem Projekt hat sie mit den Handschuhen angefangen. Dabei hatte sie noch nichts konkretes im Sinn, es ging ihr vor allem darum zu sehen ob sie Handschuhe nähen könnte. Aber die Handschuhe sind schon nicht Allerweltskleidung, da braucht sie etwas passenden zum dazu anziehen. Aber vorerst hat sie davon nur ganz vage Vorstellungen von einem eleganten Kleid, und muss noch andere Sachen nähen bevor sie sich an das Kleid wagt, also hat sie was kleines dazu gemacht.

Die Schliesse hat sie schon vor längerem auf dem Flohmarkt gefunden, da muss noch ein passendes Kettchen dran. Die Stickerei hat sie ja schon besprochen. Ihre ersten Paspeln sind auch zu sehen, und im Innern ein hübsches kleines Futter.

Und vorhin ist noch des Fräuleins Schneiderpuppe angekommen, welche ihre Schwester in einem secondhand Laden gefunden hat. Davon später mehr.

Es dauert, und dauert, und dauert noch länger, und dann ist es fertig.

Vor etlichen Wochen war des Fräuleins Plan das dieses Projekt bis zu ihrem Ausflug nach Freiburg fertig sein sollte. Dann wollte sie es fertig haben bevor ihr Besuch aus Russland da war. Und dann sollte es sofort nach der Aufhängung fertig werden. Und dann wenigstens sofort nachdem sie sich von der Aufhängung erholt hatte. Und dann war es fertig bis auf die Borte welche dem Fräulein nicht recht gefallen wollte. Und dann mussten nur noch die Enden von den Borten richtig versäubert werden. Und dann, endlich, endlich war es fertig, und das Fräulein nahm noch Fotos um es hier vorzustellen, und dann waren die Fotos unscharf.

Da hat das Fräulein aufgegeben und ist erst mal schlafen gegangen.

Jetzt hat sie aber nochmals alles photographiert, und endlich kann sie es zeigen (klick macht wie immer gross).

Zuerst wollte die Borte dem Fräulein nicht recht gefallen – sie mag sich auch erinnern das diese ihr schon beim Einkauf nicht wirklich gepasst hat – aber sie war ja von der Freundin erwünscht, also musste sie zumindest mal ausprobiert werden. Und wie sie so da sass und das Teil annähte – von Hand, versteht sich – fand sie immer mehr das es doch eigentlich nicht so schlecht aussehen würde. Und zum Stil der Empfängerin würde es sicher passen. Sie hat dann immer wieder mit sich gehadert, sie hätte längst fertig sein können, sie hätte viel mehr Spass an einer anderen Arbeit haben können, aber sie hat einen sturen Kopf, und nachdem sie sich dazu entschieden hatte liess sie sich nicht mehr davon abbringen.

Am Ende musste sie es nur noch schön zusammenrollen und dann mit viel Seidenpapier in den selbstgebastelten und massgefertigten Karton packen (dieses Photo übrigens mal mit Blitz, das betont den Stoff ganz anders als mit Umgebungslicht). Das mit dem Karton ist noch so was, das Fräulein mag ja schöne Kartons, Truhen, Dosen, ganz allgemein schöne Behälter. Das Fräulein ist da aber auch relativ anspruchsvoll, wenn diese das Fräulein überzeugen sollen so das sie sie benutzt dann müssen sie schon eine gewisse Eleganz vorweisen, oder zumindest ein an sich kohärentes Design aufweisen. Und mit der Zeit ist in ihr der Gedanke gewachsen das doch eigentlich all die schönen Sachen welche sie selbst produziert auch passende Behältnisse verdienen.

Und da kommt dann so etwas heraus. Der Karton ist ein einseitiger Wellkarton, also auf der einen Seite glatt und auf der anderen gewellt, was ihm viel Stabilität verleiht. Den Schnitt dazu hat das Fräulein selbst gezeichnet, und der Karton ist nirgends geklebt, verleimt, getackert, oder sonstwie verunstaltet. Das rote Satinband das den Karton zuhält ist ein Reststück, genau auf die passende Länge genäht. Gerne würde das Fräulein einen schönen Stempel machen damit sie ihren Avatar direkt auf die Verpackung drucken könnte, aber da sie vorerst keinen solchen besitzt muss eine unter das Band geschobene Visitenkarte ausreichen.

Das ganze ist natürlich noch nur ein Prototyp, das Fräulein hat verschiedene andere Ideen für Verpackungen im Hinterkopf welche sie mit der Zeit ausprobieren will. Aber für einen ersten Versuch ist sie sehr zufrieden damit.

Jetzt muss sie noch ein wenig Aufräumen, Schnittmuster mit Stoffproben archivieren, etwas Platz frei machen, dann kommt auch schon das nächste Projekt. Noch ein Korsett! Dieses aber ganz nach des Fräuleins Gefallen, ganz in Schwarz, das stärkste was sie ja gemacht hat. Es wird ein Überbrustkorsett, für eine Freundin in Australien die fast täglich Korsett trägt, und welche sich immer beschwert das die Stangenware viel zu schnell kaputt geht. Morgen muss sie also extrastarkes Garn kaufen, und dann will sie mal sehen ob sie ihrer Freundin nicht was liefern kann was ihr länger Freude macht.

Eine kleine Kostprobe

Wenn das Fräulein möchte könnte sie eigentlich die meisten Tage einfach faul herumliegen, das Internet durchstöbern oder sich der Lektüre widmen. Aber das mag sie irgendwie nicht, wenn sie faul herumliegt werden ihre Gedanken immer morbider (wie wenn sie das nicht ohnehin schon wären), das Internet findet sie schon lange nicht mehr so spannend wie es mal war (Anfang Neunziger war das Internet noch ein richtiges Abenteuer, zur Jahrtausendwende eine riesige Baustelle in welcher neue Kunstarten und experimentelle neue Gemeinschaftsformen ausprobiert wurden, Heute ist es von wenigen riesigen Institutionen und Geschäften plattgewalzt). Und Lektüre, tja, das Internet hat des Fräuleins Konzentrationsspanne zerschossen.

Und da muss das Fräulein sagen das sie sehr froh ist damals vor fast 2 Jahren eine Nähmaschine gekauft und einfach mal mit Nähen angefangen zu haben. Nicht nur weil ihr die Arbeit unzählige Stunden an Freude gebracht hat. Auch nicht nur weil ihr das Nähen durch zwei schwierige Trennungen hindurch geholfen hat. Und auch nicht nur weil sie Freude und Stolz an ihren fertigen Objekten hat.

Nein, was sie mit dem Nähen erlebt hat ist ein regelrechter Gesinnungswechsel. Sie ist von einer Konsumentin zu einer Produzentin geworden. Sie kreiert, sie schöpft, sie erschafft. Sie findet in sich den Willen zur stundenlangen Hingabe an ein Werk, sie blüht darin auf. Sie hat so viele Sachen gemacht welche sie nie für möglich gehalten hätte. Und so viele Sachen die ihr mal als unmöglich erschienen waren sieht sie jetzt als durchaus machbar. Sie merkt auch ganz deutlich wie sie sich besser fühlt wenn sie etwas kreiert, und wie sie umgekehrt in einem Morast versinkt wenn sie nichts schafft (oder nichts schaffen kann wenn die Depression sie wieder mal nieder rafft). Und sie will immer mehr Sachen aus ihren Händen schöpfen.

Also soll es niemanden wundern das sie nachdem sie die Handschuhe fertig hatte sofort in ein nächstes Projekt gestiegen ist, welches jetzt schon fertig ist (es war ein viel einfacheres Projekt als die Handschuhe). Ihre Freundin A. hatte sich einen Rock gewünscht, und den Gefallen hat sie ihr gerne erfüllt, erst recht weil A. bald Geburtstag hat. Aber vorzeitig zeigen will sie den Rock auch nicht, sie übergibt ihn erst am Freitag an A. Deshalb gibt es hier bloss ein Detailfoto als Kostprobe und Vorgeschmack auf den fertigen Rock.

Eigentlich wollte das Fräulein ja nur schnell den Rock präsentieren, die philosophischen Gedanken kamen unbeabsichtigt dazu. Sie hofft niemanden damit gelangweilt zu haben.