Vom Papier zum Stoff

Manchmal ist es frustrierend. Da arbeitet frau fast täglich an ihrem Projekt, müht sich ab um irgendwie noch ein Stündchen frei zu kriegen neben Haushalt und Garten und sonstigen Verantwortungen, und kriegt doch das Gefühl kaum voran zu kommen.

Aber dann kommt plötzlich alles zusammen, verfügbare Zeit und Motivation und irgendwo eine kritische Schwelle im Prozess überwunden (in diesem Fall: das Schnittmuster fertig haben und von Papier auf Stoff wechseln), und dann geht alles viel schneller als man glauben würde.

Letzte Nacht hab ich das Schnittmuster fertig gezeichnet, 19 verschiedene Schnittteile sind es geworden, mit sicher nochmals so vielen Zwischenschritten und Konstruktionsteilen. Da hab ich über eine Woche dran gesessen, immer wenn ich konnte, und es wurde einfach nicht fertig.

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Die Schnittteile schön ausgebreitet

Und heute hab ich den Stoff ausgelegt und angefangen zuzuschneiden, und bevor ich es merkte hatte ich 35 Teile zugeschnitten und konnte anfangen mal wirklich zu nähen. Und das läuft auch schon erstaunlich gut, erst recht nach so einer langen Pause.

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Ein Haufen Stoff, die eine Vorderseite schon fertig – mit Tasche!

Die Katze unterstützt mich auch regelmässig, am liebsten in dem sie sich auf dem Tisch ausstreckt und beruhigend schnurrt. :)

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So sieht Motivation aus

 

 

 

 

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Und es geht weiter!

Es sind nicht mal mehr 4 Wochen bis zum WGT, und da kann sich das Fräulein schlecht leisten Auszeiten zu nehmen. Schon bloss das sie gestern vor allem damit verbracht hat in ihrem neuen Korsett herumzustolzieren statt etwas zu arbeiten hat sie verärgert, und heute hatte sie auch einen schweren Start.

Am Schluss hat sie sich dann doch aufgerafft und zuerst ihren Stoff gebügelt, dann das Schnittmuster für ihre Jacke übertragen. Irgendwann wünscht sie sich einen richtig grossen Tisch für solche Arbeiten, aber diese Nacht musste sie das am Boden machen.

Mit ein Grund wieso sie alles auf den Stoff übertragen wollte bevor sie anfängt drauflos zu schneiden war das sie sich nicht sicher war ob sie nicht vielleicht zu knapp gewesen sei als sie den Stoff bestellt hat, aber zumindest diese Sorge hat sich nicht bestätigt. Im Gegenteil, sie wird ziemlich sicher genügend Stoff übrig haben um damit z.B. ein weiteres Korsett nähen zu können. Also alles in allem ein guter Tag.

Das mit dem grossen Tisch zum zuschneiden ist übrigens ein Grund wieso das Fräulein „kleine“ Projekte wie Korsetts oder Handtaschen gegenüber grossformatigeren Sachen wie langen Röcken vorzieht. Sie kann diese auch auf ihrem ganz normal grossen Tisch ohne Probleme kreieren, und das ist doch viel gemütlicher als stundenlang auf dem Boden zu knien.

Hornhaut auf den Fingerkuppen

Seit Vorgestern ist das Fräulein gut voran gekommen. Das Probeteil hat sie wie erwartet fertiggestellt, sich darin eingeschnürt und es ein paar Stunden getragen. Danach hat sie auf dem ersten basierend ein neues Schnittmuster gezeichnet und dieses an verschiedenen Stellen verändert und angepasst. Das ganze sah dann ungefähr so aus:

Vor allem ist es ein wenig länger, und die Taille ist ein wenig enger als beim Probeteil. Zusätzlich hat das Fräulein die Nahtzugabe verkleinert, 1cm genügt bei weitem. Als letztes hat sie letzte Nacht noch alles ausgeschnitten.

Heute war das Programm also klar: zuerst denn Stoff sauber bügeln, dann Oberstoff und Futter zuschneiden. Für das Futter hat sie einen einfachen relativ dünnen (Betonung auf relativ) Coutil mit feinem Fischgrätmuster genommen, für den Oberstoff einen Broche mit Blüten-/Rankenmotiv (hier in Nahaufnahme):

Nach einigen angenehmen ungestörten Stunden hatte sie einen fast 3cm dicken Stapel von zugeschnittenen Stoffteilen – der Broche ist wesentlich dicker als der Coutil, ungefähr 1mm, es ist ziemlich eindrücklich damit zu arbeiten. Etwas Sorgen macht sich das Fräulein da nur um die Versäuberung der Ober- und Unterkanten, mit einem so starken Stoff scheint es ihr annähernd unmöglich ein Schrägband zu formen, und vor allem zu nähen. Eine richtig sinnvolle Alternative ist ihr aber auch noch nicht in den Sinn gekommen, die Frage ist also noch offen.

Einige Stunden später, es war Besuch da, konnte sie sich endlich wieder an die Arbeit setzen, und kam wieder gut voran. Wesentlich herausfordernd war bloss das der Coutil sehr resistent gegen Stecknadeln ist und heftig Widerstand leistet wenn das Fräulein versucht ihn zusammenzustecken. Sonst ging die Arbeit zügig voran, und das Futter ist fertig zusammengenäht, aber auf ihren Fingerkuppen, vor allem dem rechten Zeigefinger, bildet sich von den Stecknadeln langsam eine Hornhaut aus.

Morgen will das Fräulein zuerst den Oberstoff nähen, dann die Tunnels für die Stäbchen platzieren. Zum ersten mal verwendet sie fertig gekaufte Tunnels statt diese selbst zu nähen, sie denkt sie spart so doch einige Stunden Arbeit die sonst mit dem nähen von den Tunnels drauf gegangen wären. Leider hat sie Morgen aber auch noch verschiedene Termine, und wird sich nicht so sehr der Arbeit widmen können wie sie möchte.

Eigentlich hätte sie gerne das fertige Futter gezeigt, aber da sie keine Lust hat jetzt aus dem Bett zu klettern um es zu photographieren muss der Stapel von Schnittteilen genügen. Im ganzen sind es 32 Lagen Stoff, und der Stapel ist ungefähr 28mm hoch:

Das Puzzle gelöst

Das Fräulein ist gerade etwas müde, aber das erste Probeteil für ihre Jacke hat sie nun fertig. Fotos hat sie noch keine, es ist auch relativ schwierig die Jacke zu präsentieren weil sie ja erstens zu klein für das Fräulein ist, sie sie also nicht anziehen kann, und zweitens wegen der aussergewöhnlichen Form schlecht auf einem Kleiderbügel sitzt. Und eine Schneiderbüste auf welche sie die Jacke drapieren könnte hat sie (noch) nicht.

Das Schnittmuster ist, wenn es genau betrachtet wird, gar nicht so unverständlich wie es auf den ersten Blick aussieht. Von den 63 Teilen fallen 12 direkt weg, diese sind einfache Doppel für die Teile vom linken Arm. Der linke Arm selbst umfasst 15 Teile in zwei Versionen, entweder ein schlichter Ärmel aus 3 langen Panelen, oder eine kompliziertere Version aus 12 Teilen (plus die 3 langen Teile als Futter). Diese 15 Teile sind klar zu erkennen und einfach aussortiert und schnell zusammengepuzzlet.

Von den Verbleibenden 36 Teilen ergeben 4 zusammen den rechten Ärmel, die sind auch klar markiert. Weitere 11 Teile, alle Orange gefärbt, sind die verschiedenen Bänder und Gummi die auf den fertigen Versionen zu sehen sind. Die sind alle mit römischen Ziffern nummeriert, und bei genauer Betrachtung der anderen Schnittteile ist gut zu erkennen wo welche davon wie verarbeitet werden sollen.

10 weitere Teile, von eins bis zehn durchnummeriert, ergeben den Körper der Jacke. Die ersten 8 von denen werden jeweils immer an das vorhergehende Teil genäht, dabei zeigen die Markierungen und Notizen wie genau sie aneinanderpassen. Das neunte liegt dann quer zu denen, und das zehnte wird wieder ganz normal an jenes angenäht. Dies geht alles deutlich aus den Markierungen und Anweisungen auf den Schnittteilen hervor.

2 von den 11 übrigen Teilen ergeben Innenfutter an einer Stelle wo dessen Schnitt vom Oberstoff abweicht. 6 sind verschiedene Laschen die an diversen Stellen eingebaut werden, diese sind alle auch klar verständlich und können bis auf eine je nach Geschmack auch weggelassen werden.

Die 3 letzten Teile sind die am schwersten verständlichen. Sie gehören unten an den Rücken vom Körper, so viel ist klar, aber es scheint mindestens zwei verschiedene Methoden zu geben diese anzusetzen. Je nach dem wie diese angesetzt werden wird die Jacke auch unterschiedlich geschlossen, und ganz ehrlich weiss das Fräulein noch nicht welche Version „richtig“ ist, beziehungsweise welche sie umsetzen wird. Sie hofft das sie noch eine Möglichkeit finden wird dies so zu lösen das beide Variationen die Jacke zu schliessen erhalten bleiben, da sich der Stil der Jacke dabei doch deutlich ändert.

Im ganzen Prozess vom rausklügeln was wie zusammengehört hat das Fräulein eigentlich nur zwei mal Schwierigkeiten gehabt. Einerseits die drei eben erwähnten Teile, bei welchen die Unklarheit erhalten bleibt – das Fräulein hat sehr schöne fertige Modelle der Jacke in beiden Versionen gesehen. Andererseits hatte sie wesentliche Probleme mit dem rechten Ärmel weil sie ein kleines Schnittstück auf welchem zwei Druckknöpfe montiert werden versehentlich dem linken Ärmel zugeordnet hatte. Mit diesen wird der Ärmel dann am ersten Panel vom Körper festgeknöpft, so das der Ärmel beim Öffnen der Jacke jedes mal auch geöffnet wird.

Diese beiden Schwierigkeiten hat das Fräulein aber, das muss sie ehrlich sagen, nicht selber gelöst. Sie verdankt deren Lösung drei besessenen NäherInnen welche das Schnittmuster gemeinsam entschlüsselt haben und darüber in einem Beitrag auf dem Forum bei Craftsters berichtet haben. Den dreien gehört hierzu alles Lob.

Eigentlich hätte das Fräulein noch viel mehr zu schreiben, sowohl Ideen und Pläne rund um die Jacke als auch verschiedene andere Sachen, aber dazu ist jetzt leider die Zeit zu spät und das Fräulein zu müde. Aber bald gibt es wieder Neuigkeiten, das verspricht das Fräulein.

Nur ein paar Worte

Anscheinend hat das Fräulein den Link zu ihrem Schnittmuster nicht deutlich genug hervorgehoben als sie das Projekt vor kurzem beschrieb. Deshalb hier nochmals:

John Galliano, „Piratenjacke“

Links das Schnittmuster, in der Mitte einiges an Blabla welches das Fräulein nicht all zu sehr ernst nimmt, und Rechts eine Galerie mit einigen fertigen Versionen aus dem Schnittmuster. Gerade die Galerie ist sehr nützlich, denn sie hilft mit dem zusammenpuzzeln von den vielen Teilen.

Das ist dann sowieso nicht so schwierig wie es vielleicht aussieht. Der linke Ärmel ist relativ gut zu erkennen, und der beansprucht schon 27 von den 63 Teilen. 3 weitere Teile ergeben den rechten Ärmel. Die Orangen Teile sind verschiedene Details welche appliziert werden sollen, deren Positionen sind auf den Schnitteilen klar markiert, und sie können vorerst ignoriert werden. Weitere 10 Teile ergeben den Körper von der Jacke, und die sind schön nummeriert, bloss wie die zusammengehören war ein wenig knifflig rauszufinden. Dann bleiben nur etwa 10 Teile übrig, über deren Platzierung das Fräulein zum Teil noch nicht ganz sicher ist. Aber selbst zu denen hat sie zu den meisten mindestens eine sehr gute Ahnung, wenn sie es denn nicht schon genau weiss.

Und da sie mit dem Zusammenbasteln schon so weit fortgeschritten ist hat sie sich diese Nacht auch schon an den Stoff gewagt, und die ersten sechs Teile vom Körper sind zusammengesetzt. Morgen kommt der restliche Körper dran, beide Ärmel, und dann werden die weiteren uneindeutigen Teile angebracht.

Schnittteile

Das Fräulein meldet sich wieder, mit dem ersten Update zu ihrem neuen Projekt, dem Jäckchen nach dem Schnitt von John Galliano. Am liebsten hätte sie das Schnittmuster ja auf 3 Bögen Din A0 ausgedruckt, so wie es in der Datei welche sie heruntergeladen hat vorgesehen ist. Aber auf die Schnelle fand sie keine Möglichkeit dies zu tun, auf jeden Fall nicht für einen halbwegs vernünftigen Preis (99 Franken – ca. 80 Euro – wollten die pro Bogen, da musste das Fräulein einmal leer schlucken und den Laden verlassen). Sie möchte gerne trotzdem noch einen Ausdruck in Originalgrösse machen, und inzwischen hat sie auch mit ein paar Freunden gesprochen welche Zugang zu entsprechend grossen Druckern haben und ihr dies zu einem deutlich vernünftigeren Preis machen können.

Aber so viel warten wollte sie nicht, deshalb hat sie sich erst mal die drei Bögen auf insgesamt 70 A4 Blätter aufgeteilt und ausgedruckt, die alle mit einer Unmenge an Klebstreifen zusammengestückelt, und sorgfältig ausgeschnitten. Im ganzen 63 Teile (hier auf ihrem Bett ausgebreitet, klick macht gross):

Der ganz grosse Vorteil von dieser Aktion: sie musste jedes einzelne Teil genau angucken, und konnte so sämtliche Details die darauf eingezeichnet sind studieren. So hat sie sehr viel über die verschiedenen Notizen und Markierungen welche auf den Schnittteilen markiert sind gelernt, und auch einige wesentliche Details über die Konstruktion als ganzes. Einige Teile versteht sie zwar immer noch nicht, aber das wird sich sicher noch ergeben.

Als nächstes gilt es nun Morgen den Schnitt, oder zum Anfang gewisse Bereiche davon, auf Stoff zu übertragen. Dann kann sie auch schon damit beginnen es zu vernähen. Updates folgen hier sicher bald.

Eine Herausforderung

Die letzten Tage, gar Wochen, war das Fräulein in einem ziemlich unangenehmen kreativen Tief. Sie könnte die Schuld daran jetzt dem Wetter zuschieben, das seit bald einem Monat täglich die selbe Inversionslage aufrecht erhält und in welcher die Luft seit genau so langem stagniert und ständig weiter verschmutzt wird, oder der Jahreszeit mit den furchtbar kurzen Tagen und der endlosen Nacht, oder ihrer Gesundheit mit dem Husten der sie seit Wochen hartnäckig festgesetzt hat und den wiederholten Migränen. Und sicher hat das alles seinen Teil zu diesem Tief beigetragen. Aber im Prinzip hat ihr einfach die Motivation gefehlt, es war nichts da was sie antrieb, was sie dazu brachte etwas leisten zu wollen.

Aber jetzt hat sie eine neue Herausforderung gefunden, und es ist eine der grössten seit sie angefangen hat zu nähen. Es ist ein frei zum download zur Verfügung gestelltes Schnittmuster für ein Jäckchen von John Galliano. Sogar das Fräulein, die sich sonst überhaupt nicht für Mode interessiert, weiss das das irgendwer wichtigeres in der Modebranche ist. Das Jäckchen ist äusserst asymmetrisch geschnitten (nur ein paar wenige Schnitteile sind symmetrisch) und hat sehr viele verschiedene Schnitteile (63 verschieden geformte). Was es richtig spannend macht ist das es keine Anleitung zum Schnittmuster gibt, abgesehen von einigen wenigen handschriftlich und auf Französisch hingekritzelten Stichwörter (die zum Teil auf Englisch übersetzt sind) ist es der Schneiderin selbst überlassen sich zurechtzufinden.

Aber das Fräulein meint sie habe die wichtigsten Sachen herausgefunden und glaubt das sie das Jäckchen nähen kann, das die Zweifel welche sie noch hat dann gelöst werden wenn sie Stoff in den Händen hat. Ihr erster Schritt ist jetzt mal zu testen ob das auch stimmt, also das Jäckchen aus billiger Baumwolle probe zu nähen. Danach wird sie den Schnitt sicher an ihre Grösse und Körperform anpassen müssen, sie hofft jedoch da relativ glimpflich davon zu kommen, und anschliessend nochmals probenähen um die letzten Details zu korrigieren. Erst dann will sie sich an den schönen Stoff wagen.

Während der Zeit kann sie sich auch noch viele Gedanken zum endgültigen Aussehen der Jacke machen, zu Farb- und Stoffkombination, zu Details und (zusätzlichen) Verzierungen, zu Accessoires und dem Rest des Ensembles (den soviel ist jetzt schon klar, es soll Teil eines zusammengehörigen Outfits werden. Dazu gehört garantiert ein Rock, welchen das Fräulein selbst entwerfen und genau so asymmetrisch und detailverliebt (um nicht zu sagen überladen) gestalten will. Sehr wahrscheinlich wird auch ein Korsett dazugehören, eventuell eine Oberschenkeltasche, Handschuhe, ein Hut (Hüte sind immer toll), vielleicht auch noch ein Werkzeuggurt.

Derzeit hat sie zwei Ideen zur fertigen Form welche trotz gleicher Grundidee ziemlich verschiedene Endprodukte ergeben würden. Einerseits würde sich klassischer Steampunk (ohne Zahnrädchen!) anbieten, das lässt sich wunderbar mit Details überladen. Farben wären dann Brauntöne von hellem Sand bis Dunkelbraun, Gold, Messing, vielleicht Akzente in weisser Spitze oder ähnlich, die Stoffe (Kunst-)Leder, Brokat, Spitze. Andererseits kann sich das Fräulein das ganze auch in Schwarz und Silber vorstellen. Dabei würde sie auf ein etwas nüchterneres Profil zielen, deutlich strenger, für die Jacke würde sie dann auf eine „aus zerschnittenen Uniformteilen zusammengeflickt“ Optik zielen.

Sie weiss aber echt nicht was sie versuchen will. Sie hat weder mit Steampunk noch mit Uniformlook Erfahrung (mal abgesehen das sie Steampunk als Literaturgenre mag). Vielleicht wird es ja noch etwas ganz anderes draus. Fertig haben will sie das ganze aber allerspätestens zum WGT.

Und weil sie möchte das ihre Leser nicht gänzlich von ihrem Geschreibsel gelangweilt sind präsentiert sie hier noch den Link zum Schnittmuster. Dort ist nicht nur das Schnittmuster selber in all seiner Obskurität zu bewundern (und zum Download bereit, sollte wer anders auch Lust haben), sondern es sind auch einige wenige Vorgängerinnen mit ihren eigenen fertigen Jäckchen zu sehen (ohne deren Fotos das Fräulein dieses Projekt vermutlich nicht wagen würde).

Wo ist das Fräulein bloss?

Wo steckt sie den bloss, was treibt sie nur, wieso schreibt sie so selten in ihrem Blog? Ganz kurz gesagt, weil sie zu wenig Zeit hat. Ganz stimmt das natürlich nicht, sie sollte auch so zwischendurch ein paar Minuten finden um einige Zeilen zu schreiben, aber wenn man dann noch den natürlichen Faulheitsfaktor mit einrechnet, und das Fräulein ist eine notorische Faulenzerin, dann erklärt das schon vieles.

Dazu kommt das sie eigentlich zu diesem Beitrag Bilder von ihrem Wochenende zeigen wollte. Denn die letzte Woche vor dem Wochenende hat sie sehr eifrig an ihrem neuen Korsett genäht. Es sollte zum burlesken Rock passen den sie schon gezeigt hat, also auch roter Satin mit schwarzer Spitze. Zum ersten mal hat sie dazu ein richtiges Schnittmuster benutzt, von Butterick. Das war ganz interessant, vor allem um mal zu sehen wie so ein Schnittmuster funktioniert, denn das Fräulein hatte tatsächlich noch nie nach einem Schnittmuster genäht. Das Muster und die Technik waren dann aber doch nicht so sehr unterschiedlich von den Methoden nach denen sie bisher schon gearbeitet hatte. Erschrocken ist sie vor allem an der Anzahl Stäbchen welche sie einarbeiten sollte, 24 im ganzen.

Nach einem Probeteil und einigen Anpassungen am Schnittmuster hat sie dann „nur“ 22 Stäbchen benutzt, weil sie einerseits eine breitere Schliesse eingearbeitet hat als im Schnittmuster vorgesehen und andererseits die vordersten Schnittteile deutlich geschmälert hat. Trotz der sehr vielen Stäbchen ist das Korsett aber sehr bequem geworden, so das es auch nach 10 Stunden noch immer völlig bequem zu tragen war. Und überhaupt ist sie gerade sehr in ihr neues Korsett verliebt, es ist nicht nur sehr bequem zu tragen, es gibt ihr auch eine tolle Figur.

Am letzten Samstag hat sie es zum ersten mal ausgeführt, zusammen mit dem Röckchen und ausserordentlich tollen Lackstiefeln. Dazu natürlich schwarze Strümpfe (nie Strumpfhosen, das Fräulein mag die überhaupt nicht) mit Strapsen (das mag sie dafür um so mehr). Und um das Tüpfchen auf das i zu setzen hat sie während der Party noch 10 Straussenfedern mit Kanülen in den Rücken gestochen bekommen.

Leider hat sie davon noch keine Fotos, denn sie würde sehr gerne zeigen wie alles zusammen ausgesehen hat (und sie würde auch selber gerne sehen wie sie mit den Federn ausgesehen hat), aber sie müsste demnächst Fotos bekommen. Dann wird sie ganz sicher auch hier etwas zeigen.

Und jetzt näht sie weiter: als erstes eine kleine Schallplattentasche aus Singles, und parallel dazu Probeteile zu zwei weiteren Korsetts für Freundinnen. Mehr dazu später.

Gothic Lolita

Das Fräulein sieht jetzt schon was für Suchresultate das Wort Lolita zu ihrem Blog führen wird. Aber da werden halt ein paar alte Männer mit ihren schmutzigen Gedanken frustriert weiter suchen müssen, das ist ihr eigentlich gerade recht.

Gestern war das Fräulein bei ihrem Freund Orfeo zu Besuch. Sie hat selbstgebackene Muffins mit Kirschen mitgebracht, er hat ihr im Garten ihren Undercut aufgefrischt, zusammen haben sie Tee getrunken, verschiedene Freunde sind zwischendurch aufgetaucht, aber vor allem haben sie stundenlang zusammen geschwätzt. Immerhin hatten sie sich das letzte Mal vor dem WGT getroffen, und da hatten beide einander viel zu erzählen. Das ganze gab einen angenehmen kleinen Abend, stressfrei und gemütlich.

Doch gab es für das Fräulein ein kleines Extra. Eine Freundin von Orfeo kehrt nach einigen Jahren in der Schweiz in ihr Heimatland Japan zurück. Deshalb löst sie ihren Haushalt auf; Orfeo hat für sich eine Nähmaschine ergattert welche zu verstehen das Fräulein ihm behilflich sein wird. Zusätzlich hat er für das Fräulein ein paar Stücke ergattert, unter anderem zwei Röcke und ein superknapes Minikleid.

Und das Beste was dabei war ist ein kleiner Stapel von japanischen Gothic Lolita Modeheftchen. Und drei davon haben fette Beilagen mit Schnittmustern! Zwar ist das Fräulein beim besten Willen keine Lolita mehr, und so richtig zu den Goten zählt sie sich auch nicht, aber da sind so viele geniale Sachen in den Heftchen das sie ganz garantiert das eine oder andere daraus nähen wird. Da wird sich das Fräulein auch nicht dadurch bremsen lassen das alles auf Japanisch geschrieben ist, einerseits hat sie Freunde welche japanisch sprechen, und andererseits sind die Anleitungen reich bebildert.

Zwischendurch kauft sie sich auch die Burda, gerade wenn sie in Deutschland ist (die kostet dort fast die Hälfte dessen was hier, und obendrein kriegt sie hier die Burda nur auf Französisch), und auch wenn sie die Schnittmuster dort mag, so freut sie sich doch über diese japanischen Magazine unendlich viel mehr.